ZimmerLinde
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Hier versuche ich die aktuell laufenden Projekte mit Fotos und Hintergrundinformationen zu dokumentieren.

Und nun zum Weitendorfer Kirchlein. Der Dachstuhl über dem älteren Teil ist noch weitestgehend original erhalten von 1412 (sogar die original eichenen Windrispen sind noch erhalten und werden von mir wieder in Funktion gebracht ). 

 Alle Hölzer in diesem Teil sind aus sehr weitringigen, krumm gewachsenen ca. 30 bis 40 Jahre alten Eichen hergestellt worden ( diese sind entgegen ihres ersten Anscheins unheimlich widerstandsfähig und zäh - fast mehr als die gesägten, dicken Balken wegen der immer durchlaufenden Faser und astreichen Wuchsform. Astansätze sind die wiederstandsfähigsten Holzteile eines Baumes ). Zu dieser Zeit waren offensichtlich die großen Eichen- Urwälder schon größtenteils abgeholzt und für die zahllosen Kirchenbauten in MV in der Zeit des ausgehenden 13. und des gesamten 14. Jahrhunderts verbaut worden. .... Und es gibt aus dieser Zeit hier in Mecklenburg und Vorpommern noch unheimlich viele original oder teilweise original erhaltene Kirchendächer, die ein lebhaftes Zeugnis dieser regen Bautätigkeit im 13. und 14. Jahrhundert ablegen . Fast alle Kirchendächer aus dieser Zeit sind vollständig aus Eichenholz hergestellt worden.

Vermutlich wurde die Kirche schon kurz nach der Fertigstellung nach Westen hin erweitert ( das Feldsteinmauerwerk lässt dies vermuten ). Dieser westliche Teil wurde ab dem Traufmauerwerk 1706 komplett in Eiche erneuert und mit einem kleinen Glockenturm im Dach versehen. Diese Eichenhölzer wiederum sind in ihren Abmaßen sehr hoch dimensioniert, fast überdimensioniert und zeugen davon, dass sich die Eichenwälder wieder erholt haben. 

Meine Aufgabe hier bestand in erster Linie in der Reaktivierung der alten Holzverbindungen, die sich im Laufe der Jahrhunderte aus ihrer Verbindung gelöst haben, durch Reinigen und Wiederzusammenziehen mittels Vollgewindeschrauben dauerhaft in ihrer Lage zu sichern. Um die alte Doppelschwelle zu erhalten, habe ich im Bedarfsfall unter die Deckenbalken neue Schwellenstücke zwischen den alten Schwellen eingefügt, um die Lasten wieder ins Mauerwerk zu führen, auch da wo die Originalschwelle es nicht mehr vermag. Desweiteren habe ich durch Spezialschrauben die Sparren wieder schubsicher an die Deckenbalken angeschlossen. 

Im Bereich des ursprünglichen Westgiebels fehlte ein Gebinde komplett und wurde von mir in Lärche neu hinzugefügt, um die Spannweite der Dachlatten in diesem Bereich zu reduzieren. 

Kurz nach der Wende sind auf der Südseite schon Reparaturen an den Deckenbalken und im Turmbereich durchgeführt worden einschließlich des kompletten Schwellenaustausches, so dass es umso wichtiger war die Originalsituation auf der Nordseite zu erhalten. 

Auch die Aufschieblinge waren bis auf 2 Stück am Westgiebel von 1706 nicht mehr vorhanden und wurden von mir durch neue eichene Aufschieblinge in mittelalterlicher Form erneuert. 

 

Besonders interessant finde ich den eigenwilligen Kanzelfuß, die Kanzelbrüstung und das Kanzeldach mit der hängenden Taube .

Ich habe gerade eine alte Festplatte gefunden, auf der Fotos meines bisher schönsten Neubauprojektes waren. Als 2015 der Tornado mit Spitzenwindgeschwindigkeite von bis zu 300 Stundenkilometer über Bützow hinweg raste zerlegte er auch das große, alte Hallenhaus der Familie Götze, so das es nicht mehr zu reparieren war und die Versicherung einem Originalgetreuem Neubau zustimmte :-))) ....und damit begann für mich eine einzigartige Arbeit die mir unheimlich viel Spaß machte und an die ich immer gerne zurückdenke ! Mit im Boot hatte ich für dieses Projekt meinen Bruder und ein paar von seinen Leuten.

Das Außenfachwerk ist komplett aus totgestandenen Eichen aus der Region, die ich von meinem Säger einschneiden und sägen lassen hatte. Und alle noch verwendbaren Hölzer aus dem Originalbau haben wir wieder versucht mit einzubauen.

Die Innenwände, Decken und der Dachstuhl sind aus Kiefernholz.

...und nun viel Spaß mit den Bildern :-)

Während ich noch darauf warte, mit der Reparatur des größtenteils noch original erhaltenen mittelalterlichen Eichendachstuhl der Kapelle zu Weitendorf bei Camin beginnen zu können, habe ich noch eine kleine "Herausvorderung", ein kleines Fachwerkhaus, welches Waschküche und Speicher war und komplett aus Zweitverwendungen von 1795 gebaut wurde, was die Reparatur etwas schwieriger macht wegen der starken Schwächung vieler Hölzer durch Zapfenlöcher, Ausklinkungen und Nuten. Hinzu kommt die starke Verwitterung der Eichenfachwerkteile und Zersetzung der Kiefernrähme,-und Saumschwellen durch holzzerstörende Insekten und Pilze.

....Aber es macht Spaß ! ....und am schwersten ist immer der Anfang ;-)....wenn`s dann läuft ist alles immer gar nicht mehr so schlimm :-))) 

Lange ist es her seit der letzten Aktualisierung.

Sommerfeld pausiert seit einiger Zeit und ich habe mit der Reparatur des spätbarocken Daches der mittelalterlichen Kirche zu Bentwisch begonnen. Ein sehr guter typisch barocker Kieferndachstuhl, der ausgezeichnete Zimmermannskunst demonstriert und durch die geniale Konstruktionsweise sich selbst und die gesamte Deckenkonstruktion - durch Spreng-und Hängewerke - selbst mit massiven Feuchteschäden im Schwellen-und Balkenkopfbereich trägt ohne Schub auf die Aussenwände zu bringen, welche durch ein bisher noch nicht geklärtes Ereignis in der Vergangenheit ( bevor dieser Dachstuhl 1816 aufgestellt wurde ) - ich vermute ein kompletter Gewölbeeinsturz ? - im mittleren und oberen Bereich unheimlich stark ( bis zu 40cm im Lot ) nach außen verformt wurden. Ich finde es erstaunlich und mutig, dass auf dieses Mauerwerk dann nochmal ein neues Dach aufgerichtet

wurde !

Mit neuen massiven Pfeilervorlagen, die sogar Teile der Fenster verschlossen, versuchte man diese Verformung zu stabilisieren.

Sehr interessant finde ich die Auswertungen der dendrocronologischen Untersuchungen, die ich vom Dachstuhl des Chores und der Nordsakristei, welche schon vor 20-25 Jahren von Zimmerleuten repariert wurden und nicht Bestandteil meiner Arbeit sind, aber mein privates Interesse geweckt haben :-D. Im Chor gibt es vier zweitverwendete Eichensparren, wovon einer mit einer Nut für einen holzverschalten Giebel versehen ist, die zwischen 1145 und 1155 abgezimmert worden sind. Der restliche Dachstuhl hat Kiefernsparren und ist von 1297.

Im winzigen Dachstuhl der Nordsakristei sind leider nur noch wenige Reste der Eichensparren des Originaldachstuhles bei der Sanierung vor ca 20 Jahren als Kehlbalken erhalten geblieben. Diese ergaben die Jahreszahl 1247.

Ich hoffe, das ich noch etwas Licht in die Vergangenheit der Bentwischer Kirche von 1297 bis 1816 bekomme :-).

Die Schäden im Dachstuhl des Hauptschiffes, um die es bei dieser Sanierung jetzt geht, sind in erster Linie durch die komplette Einmauerung der Doppelschwelle und Deckenbakenköpfe an beiden Traufseiten enstanden .....und die üblichen Feuchteschäden an den Giebelsparren.

Endlich habe ich die Zeit gefunden mit der Reparatur der Deckenbalken und Dachstuhlfüsse des Gutshauses in Sommerfeld zu beginnen :-).

"Der westliche Teil (niedriges Dach) hat einen Kiefern-Dachstuhl von 1646. Zu diesem Dach gehörte auch der eichene Fachwerkgiebel, der ursprünglich einen Giebelpfosten an seiner Firstsäule trug. Damit gehört dieser Teil zu den ältesten Gutshausbauten des Landes, zumal zu einer Zeit am Ende des Dreißigjährigen Krieges, aus der verhältnismäßig wenig Bausubstanz auf dem Land bekannt ist " Zitat von Bauforscher Tilo Schöfbeck.

Der hohe Teil ist im Ursprung vermutlich ein bis ins Mittelalter zurückreichender Wehrturm, der einige Umbauphasen erlebt hat. Der Dachstuhl- ein sehr grosszügig dimensionierter, liegender Stuhl- ist ein sehr schönes Beispiel der Zimmerkunst des 18. Jahrhunderts. Er ist auf 1724 datiert, also vermutlich 1725 aufgeschlagen. Das gleiche gilt für die Deckenbalken, welche auf zwei Etagen in kompletter Länge durchgehen ( Querschnitt ca 26/34 cm, Länge 13,30 m , je Etage 14 Stück).

 

Die Zimmerarbeiten am Predigerwitwenhaus in Bützow sind nun weitestgehend abgeschlossen :-). Hier noch ein paar Photos.

 

Als nächstes freue ich mich schon auf das Gutshaus von Christina von Ahlefeld und Knut Splett-Henning in Sommerfeld :-))).

Und das Jahr 2023 beginnt für mich auch gleich wieder mit ein einer neuen alten Baustelle :-) .

In Bützow das Predigerwitwenhaus. Die Eigentümer der 2.Hälfte wollten gerne, dass ich Ihren Teil wieder "Standfest" mache, worüber ich mich natürlich sehr gefreut habe.

Nadja und Alex, zwei sehr interessierte, begeisterungsfähige, angagierte, liebenswerte und fleißige Bauherren mit denen zu arbeiten sehr viel Spaß macht. Sie haben die Kirchenarchive durchforstet und sehr umfangreiches Material über den Baubeginn/Bauvorbereitung 1786 sowie die schon knapp 50 Jahre später erfolgte große Sanierung 1832 gefunden. Dadurch konnten wir jetzt sehr schön viele Verzimmerungen den Zeiten zuordnen.